< Der Bürgermeister informiert KW 6
15.02.2018 08:42 Alter: 216 days

Der Bürgermeister informiert KW 7


Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 

im Folgenden können Sie meine Rede zur Haushaltseinbringung 2018 aus öffentlicher Sitzung im Wortlaut nachlesen:

 

„Ein gutes Jahr – ein Haushalt
von Maß und Mitte“
Haushaltseinbringung 2018
durch Bürgermeister Markus Rupp am 6. Februar 2018

 

„…Wir leben derzeit in Deutschland auf einer „Insel der Glückseligen“. Völlig unabhängig von der quälend langen neuen Regierungsbildung. Wir erwarten 2018 ein Wirtschaftswachstum von satten 2,5% und haben hier in der Region bei einer Arbeitslosigkeit von etwas über 3% - quasi Vollbeschäftigung. Das europäische Ausland würde sich hierfür die Hände reiben!

Und doch leben wir – wenn wir den Blick über den Tellerrand Deutschlands hinausrichten – in unruhigen Zeiten: Ich nenne nur die Stichwörter: Brexit, Trump, Putin, Nordkorea, Klimawandel, Flüchtlingskrise, Rechtsruck in Europa und in Deutschland. Das verunsichert die Menschen – weltweit und auch bei uns. 

Deshalb meine Damen und Herren des Gemeinderats, liebe Gondelsheimer, ist es wichtiger denn je, dass zumindest die Kommunalpolitik Sicherheit in diesen besonderen Zeiten gibt.

Sicherheit z.B. für junge Familien, einen noch bezahlbaren Bauplatz, eine Wohnung in Gondelsheim finden: Metzgereich und Schlossbuckel / Mehrgeschosswohnungsbau in der Bruchsaler Straße

Sicherheit für junge Eltern, dass sich „Beruf und Familie“ in Gondelsheim tatsächlich vereinbaren lassen: Ausbau der Betreuungsformen und der Kapazitäten in unseren Kitas / Kernzeitbetreuung in der Grundschule und Ganztagesangebot an Gemeinschaftsschule

Sicherheit, Arbeits- und Ausbildungsplätze in Gondelsheim und der Region zu erhalten: „Altenwingert“ und nun Gölswiesen / Engagement in der Wirtschaftsförderung Region Bruchsal

 

Sicherheit …

·        im Dorf einkaufen zu können (Netto, Metzger, Bäcker, Post – nun Neubau an Bruchsaler Straße)

·        medizinische Grundversorgung vorzufinden (Arzt, Zahnarzt, Apotheke, Physiotherapeut, bis hin zum Tierarzt),

·        für Senioren, hier in ihrer angestammten Umgebung bleiben zu können (Betreutes Wohnen, Pflegeheim)

 

Sicherheit für Vereine, eine gute, von der Gemeinde unterstützte Infrastruktur vorzufinden und in der Gemeinde einen verlässlichen Partner zu haben.

Sicherheit, dass sich die Verwaltung und der Gemeinderat

·        um die Lärmbelastung an der B 35 kümmern,

·        den Hochwasser-Schutz vorantreiben,

·        die Bahnübergangs-Beseitigung forcieren.

Ich könnte das fortsetzen, das würde aber den Rahmen der Haushalts-Einbringung sprengen. Und nicht alles, was für uns wichtig ist, ist es auch für andere. Leider! Und nicht jeder findet sein Interesse immer und an jeder Stelle berücksichtigt. Wir müssen als Gremium Notwendiges und Wünschenswertes unterscheiden. Wir müssen Sparen und trotzdem die Entwicklung Gondelsheims vorantreiben. Wir dürfen nicht in Extreme verfallen und deshalb „Maß und Mitte“ wahren – so auch in diesem Haushaltsentwurf 2018, der Ihnen dann vorgelegt wird, der am 2. März in die Klausur geht und der am 27. März verabschiedet werden soll.

 

10-JAHRESVERGLEICH:

Ich habe mir mal die Mühe gemacht, zu vergleichen, wo wir vor 10 Jahren standen und wo wir heute stehen:

I.

Die jährlichen Investitionen haben sich im Zehnjahresvergleich sehr unterschiedlich entwickelt – zwischen 2,5 Mio. Euro (2014) und 350.000 Euro (2011):  Insgesamt haben wir in 10 Jahren rd. 10,7 Mio. Euro investiert. D.h. im Jahresschnitt etwas über 1 Mio. Euro. In diesem Kontext ist der Haushalt 2018 mit 831.000 Euro ein Haushalt mit „Maß und Mitte“!

II.

Wir hatten uns seit 2009 von 1,9 Mio. Euro auf 1,2 Mio. Euro in 2015 kontinuierlich entschuldet und gleichzeitig unsere Rücklage auf 1,2 Mio. Euro aufgestockt. Die Bruchstelle war dann die oft beschriebene Gewerbesteuerrückzahlung von 1,9 Mio. Euro in 2016 und 2017. Dadurch ist die Verschuldung wieder auf den Wert von 2009, nämlich 1,9 Mio. Euro angestiegen. Die Rücklage auf das Mindestmaß geschrumpft! Diese nicht hausgemachten Probleme lassen „Maß und Mitte“ im 2018er Haushalt sehr angebracht erscheinen!

III.

Die Personalausgaben haben sich im Zehnjahresvergleich um 47 % erhöht – von knapp 1 Mio. Euro auf 1,4 Mio. Euro. Darin sind die Tarif- und Besoldungserhöhungen inbegriffen. Aber natürlich auch ein Aufgabenzuwachs durch Bund und Land und die Eingliederung des Kernzeitteams in die Kommune, das Mensa-Team, die Erhöhung der Schulsozialarbeit etc.. Die Personalentwicklung hatte „Maß und Mitte“ – zumal auch die Einwohnerzahl deutlich angestiegen ist.   

IV.

Zur Schaffung einer Vielzahl von neuen Stellen kam und kommt es im Bereich der Kinderbetreuung. Der laufende Abmangel der Kindertagesstätten, das was nach Abzug der Zuschüsse vom Land und den Elternentgelten übrig bleibt – ob kirchlich oder über den Trägerverein „Schneckenhaus“ – ist seit dem Jahr 2009, also im Zehnjahresvergleich von 288.000 Euro auf knapp 1 Mio. Euro Millionen Euro im Jahr 2018 geradezu explodiert! Hier gilt es ein Fragezeichen an Maß und Mitte, ein Fragezeichen bei der Politik des Landes anzubringen!

V.

Auch die Kreisumlage hat sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt und zwar von 713.000 Euro in 2009 auf 1,5 Millionen Euro in 2018. Sie stellt mittlerweile den höchsten Ausgabeposten noch vor den Personalausgaben dar. Ich erlaube mir, ein Fragezeichen beim Landkreis Karlsruhe zu machen, wenngleich ich die vielfältigen Aufgaben als Kreisrat natürlich gut kenne.

VI.

Aber zum Glück haben sich nicht nur die Ausgaben, sondern auch die Einnahmen deutlich erhöht: Die Gewerbesteuereinnahmen sind von 662.000 Euro in 2009 auf 1,8 Mio. Euro (Plan) in 2018 gestiegen. Das liegt auch an der Industriestraße und den neuen Gewerbegebieten Altenwingert und demnächst Gölswiesen.

Der Einkommenssteueranteil ist von 1,266 Mio. Euro in 2009 auf 2,2 Mio. Euro in 2018 gestiegen. Das korreliert auch mit dem Bevölkerungswachstum um knapp 500 Einwohner in diesem 10-Jahresabschnitt.

Unsere Steuerkraftsumme wuchs von 847 Euro je Einwohner in 2009 auf 1.229 Euro je Einwohner in 2018. Damit liegen wir aber nach wie vor unter dem Landesdurchschnitt, der eine Steuerkraftsumme von ca.1.500 Euro je Einwohner ausweist. Aber wir haben Maß und fast die Mitte erreicht.   

Der Vergleich zeigt, wir haben kein Einnahmen-Problem, hier haben wir unsere Hausaufgaben in Sachen Gewerbe und Bevölkerungszuwachs gemacht. Wir haben vor allem ein uns aufoktroyiertes Ausgabenproblem. Immer mehr Aufgaben werden von oben nach unten delegiert, ohne entsprechenden finanziellen Ausgleich.

 

HAUSHALT 2018

Nun konkret zum 2018er Haushalt. Das Haushaltsvolumen beträgt 2018 ca. 11,7 Mio. Euro. Die Zuführung an den Vermögenshaushalt 888.755 Euro. Eine Zuführung in einer Höhe wie wir sie seit 2015 nicht mehr hatten. Dies ist der guten Konjunktur, der steigenden Einwohnerzahl und der schlechten Steuerkraft aus 2016 geschuldet

Leider werden wir solch hervorragenden Ausgangs-Basen in den nächsten Jahren nicht unbedingt wieder erleben. Die erwähnten 1,9 Mio. Euro nicht absehbarer Gewerbesteuer-Rückzahlungen an Unternehmen zogen wir durch den Haushalt 2017 und ziehen wir vor allem auch durch den Haushalt 2018. Diese Rückzahlungen hatten zur Folge, dass unsere mühsam aufgebaute Rücklage, unser Sparbuch „Knall auf Fall“ auf die Mindestrücklage von 175.000 Euro zusammen schmolz.

Immerhin konnten wir somit 1,1 Mio. Euro Steuerausfall in 2016 kompensieren. Was blieb, ist jedoch eine Fehlbetrag in Höhe von 475.000 Euro, den wir bis 2019 auszugleichen haben.

Aufgrund der guten Rahmenbedingungen ist uns das im 2018er Entwurf gelungen. Und ich kann Sie beruhigen, es ist uns gelungen, ohne dass wir den „Bolzplatz Wiesenstraße“ als Gegenfinanzierung in den 18er Entwurf eingestellt haben. Oh, jetzt höre ich manchen Stein von den Herzen plumpsen. Ich weiß, dass das unpopulär das wäre. Ich weiß aber auch, wie gut dies unseren gestressten Finanzen täte. Wir könnten ins unsere abgemagerte Rücklage statt mageren 17.255 Euro, dann beinahe 500.000 Euro zuführen. Wir hätten damit einen Aufbau von fast der Hälfte des Standes vor 2016 erreicht. Aber hätte hätte Fahrradkette! Hätten wir noch die 1,9 Mio. Euro als liquide Mittel in unserem Haushalt, könnten wir das Feuerwehrhaus, die Kindergarten-Erweiterung, den Bürgersaal und Weiteres ohne Probleme aus vorhandenen Eigenmitteln bezahlen. Aber es hätte so schön sein können. Ist es aber nicht. Es ist uns auch ohne eine Kreditaufnahme gelungen und das ist schön.

Weniger schön ist – Sie haben es gehört -, dass uns die bei der Kinderbetreuung die Betriebskosten richtig davongaloppieren. Nicht nur uns, allen Kommunen. Nach Abzug aller Zuschüsse und Elternbeiträge bleibt bei uns ein Defizit von rd. 1 Mio. Euro hängen. Im Jahr, meine Damen und Herren. Das heißt, jedes Kindergarten- oder U 3 Kind wird von der Gemeinde Gondelsheim mit rd. 5.000 Euro alimentiert. Das ist eine vornehme Aufgabe. Darüber brauchen wir nicht zu diskutieren, genauso wenig darüber, dass wir froh sind, dass viele Kleinkinder in unserer Gemeinde leben. Das hält die Gemeinde auf Dauer attraktiv. Über was wir allerdings ein Wort verlieren sollten, ist, wie uns das Land Baden-Württemberg in dieser Frage verhungern lässt. Allerorten, jüngst auch bei den GroKo oder Jamaika-Verhandlungen wird darüber geredet, den Kindergarten für die Eltern und Kinder kostenlos zu gestalten. Einverstanden. Ich wäre dabei. Dann aber bitte auch für die Kommunen kostenfrei. Dies würde uns immensen Spielraum geben. Ich bin nicht vermessen. Wenn wir aber wenigsten wieder die einst zugesagten 68% der Betriebskosten refinanziert bekommen würden. Aber das Land hat die Förderung der Kitas auf Basis der Kinderzahl von 2011 eingefroren. D.h., statt 68% erhalten wir heute vielleicht gerade noch knapp 50 %. So geht man nicht mit denen um, die unten die Arbeit machen, die unten an der Basis beste Bedingungen für die Vereinbarkeit von Familie, Kindern und Beruf schaffen. Wofür sich andere auf den Ebenen Land und Bund dann ausführlich feiern lassen. „Fremde Federn“ schmücken nicht gut.

Gerade das Land treibt momentan ein ungutes Spiel mit seinen Kommunen. Erstmals wurde in der Gemeinsamen Finanzkommission vor der Einbringung des Landeshaushalts im Dezember vorigen Jahres keine Übereinkunft mit den Kommunalen Spitzenverbänden der Gemeinde, Städte und Landkreise erzielt. Und das obwohl dem Land Steuermilliarden nur so zufließen. Feiern lässt man sich für den Schuldenabbau im Land, just mit dem Geld, was man den Kommunen zuvor vorwegentnommen hat bzw. erst gar nicht gegebenen hat z.B. bei Kitas …..

Ich mache hier kein „Bashing“ gegen die Landespolitik. Dieser Frust herrscht bei allen Kollegen ob CDU, FW oder SPD im Landkreis Karlsruhe. Mancher hat sein Unverständnis in seiner Haushalts-Rede noch deutlich brachialer geoutet. Ich appelliere aber v.a. an die Kommunalpartei CDU, dass sie den kommunalfernen oder doch zumindest ballungsraumorientieren Grünen hier Einhalt gebietet.

Doch zurück zu uns: „Die Gemeinden sind der eigentliche Ort der Wahrheit, weil sie der Ort der Wirklichkeit sind“, hat einmal der Publizist und Politiker Hermann Schmitt-Vockenhausen gesagt. Und Recht hat er. Hier spielt für die Bürgerin und den Bürger, die Musik. Was hier entschieden wird, hat unmittelbare Auswirkung auf Sie. Deshalb freue ich mich, dass in jüngster Zeit wieder mehr Besucher in den öffentlichen Sitzungen zu zählen sind. Deshalb würde ich mich freuen, wenn sich bei der nächsten Kommunalwahl im Frühjahr 2019 viele für ihren Ort der Wirklichkeit, für Gondelsheim engagieren würden und als Kandidatinnen oder Kandidaten antreten würden.

 

 

HAUSHALT DER MASSVOLLEN ENTWICKLUNG

Maßgeblich ist dieser Vermögenshaushalt geprägt, vom Einstieg in den Feuerwehrhaus-Neubau. Historisch, wenn Sie zurückblicken auf das Jahr 1964 – im nächsten Jahr 55 Jahre her, dass der Gemeinderat das heutige Feuerwehrhaus am Brunnenberg eingeweiht hat. 11 Gemeinderatswahlen liegen seitdem dazwischen. Zwei Generationen von Gondelsheimern haben von diesem Feuerwehrhaus profitiert. Unzählige Jahrgänge haben hier ihren Dienst geleistet. Wenn man das alles berücksichtigt, dann muss es einem auch keine Angst machen, wenn wir laut unserer Finanzplanung das Feuerwehrhaus neben der Fachförderung „Z-Feu“, neben Ausgleichstock und der Verwertung des bisherigen Grundstücks auch über Kredite finanzieren, finanzieren müssen. Diese Kredite belasten nicht die kommenden Generationen, sondern sie entlasten sie. Auch, weil die Zinsen derzeit gegen null gehen. Ohne jetzt hier die Verschuldung zu propagieren. Aber wir dürfen uns jetzt weder kaputtsparen, noch „Mitte und Maß“ verlieren.

Dieser Haushalt und die nächsten Haushalte orientierten sich genau an Mitte und Maß, an Sparsamkeit und dem Einleiten der richtigen Investitionen.

Dazu gehört der Anbau eines weiteren Raumes am Saalbach-Kindergarten wie die einmalige Chance, den Bürgersaal auf die Zeichen der Zeit zu bringen mit einer enormen Förderung. Aber auch hier Mitte und Maß – kein Prunk und Protz –, sondern Konzentration auf Notwendiges

Es gibt zudem die einmalige Chance - und das ist noch nicht im Haushalt eingepreist - Breitband/Glasfaser, dorthin zu bringen, wo es bisher bei uns fehlt, wo weiße Flecken vorherrschen, und damit Chancen und vor allem die Gleichberechtigung mit Rest der Gemeinde fehlen. Durch Synergie und hohe Förderung. Der Landkreis verlegt nämlich eine Glasfaserleitung von Klinikstandort Bretten über Gondelsheim und nach Bruchsal. Über die Kosten, die Förderung und die technische Machbarkeit, die außerhalb des Haushalts in einem aus steuerlichen Vorteilen zu gründenden „Betrieb gewerblicher Art“ zu stemmen wären, hört das Gremium heute Abend durch den Kämmerer des Landkreis Karlsruhe und Geschäftsführer der BLK, Herrn Ragnar Watteroth.

Normalerweise beginne ich mit einem Zitat, heute will ich mit einem enden und zwar vom Schweizer Publizisten Ernst Reinhardt: „Der Lebensstandard ist daran abzulesen, auf welchem Niveau die Menschen klagen.“ Bewerten Sie das, meine Damen und Herren des Gemeinderats, liebe Besucher, selbst. Ich persönlich finde, wir klagen oder besser wir freuen uns über ein Niveau, einen guten Haushalt der gesunden Mitte!

Abschließend danken möchte ich allen ehrenamtlich Tätigen in unserer Gemeinde herzlich für ihr Engagement danken. Danken möchte ich auch den Mitarbeitern der Verwaltung, die bei der Erstellung des Haushaltsentwurfes mitgewirkt haben.“

 

 

Vor 150 Jahren
in Gondelsheim geboren
Max Levi führte Schuh-Unternehmen Salamander zu internationaler Bedeutung

 

Von Thomas Adam

 

Gondelsheim. Vor 150 Jahren, am 16. Februar 1868, kommt in Gondelsheim Max Levi zur Welt. Dass sein Name heute weitgehend nur noch unter Kennern der südwestdeutschen Wirtschaftsgeschichte bekannt ist, dafür mag es verschiedene Gründe geben; so haben die Nationalsozialisten sein Lebenswerk arisiert, die von ihm zu internationaler Bekanntheit geführte Firma ist mittlerweile Teil eines größeren Konzerns, lebt aber doch als Name und Marke weiter: Salamander. Es war Max Levi, dessen Ideenreichtum und Umtriebigkeit zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert den kometenhaften Aufstieg einer kleinen Schuhmacherwerkstatt zum führenden deutschen Großunternehmen in Sachen Fußbekleidung hat möglich werden lassen.

 

 

Aufnahme: Stadtarchiv Kornwestheim, Signatur F-PB 6

 

Auf Spurensuche im Gemeindearchiv von Gondelsheim fügen sich Stück um Stück einzelne Mosaiksteine zur Familiengeschichte zusammen: Zwar verlassen Raphael Levi und seine Frau Mathilde, die Eltern des kleinen Max, den Geburtsort im Saalbachtal und ziehen nach Heslach bei Stuttgart, kaum dass der Junge ein Jahr alt ist; doch reichen die Wurzeln der Familie in Gondelsheim mehrere Generationen zurück. Mitglieder der Familie Levi besitzen eine „Krämerei-Konzession“ und leben im Dorf vom Kleinhandel, dem klassischen Gewerbe des ländlichen Judentums im 18. und 19. Jahrhundert.

 

 

Werbeprospekt für Salamander Damen- und Herrenschuhe, um 1920.

 

Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg, Stuttgart-Hohenheim (WABW), Bestand B 150, Bü 648

 

In Heslach wächst Max auf, wird Kaufmann und Lederreisender und stößt 1891, 23-jährig, als bereits finanzkräftiger Geschäftspartner zum Handelsgeschäft des Schuhmachers Jacob Sigle. Der ist mit maschinell vorgefertigten Hausschuhen aus wiederverwertetem Material in den Ortschaften um Kornwestheim bereits im Straßenverkauf erfolgreich. Gemeinsam mit Sigle sowie seinen Brüdern Arthur und Sem entwickelt Levi, der auch sein Kapital einbringt, immer neue Strategien für den Absatz von Schuhen, treibt die Idee von Verkaufsstellen abseits des Produktionsstandorts voran.

Die Schuhe sind nicht modisch, sind vielmehr praktisch, robust, „der Schuh für den Bediensteten und die Bedienstete“, wie Max Levi selbst es formuliert hat. Ein Großauftrag des anfangs eher skeptischen Schuhhändlers Rudolf Moos – würden solche Bauernschuhe in mondänen Großstädten wirklich Abnehmer finden? – bringt den Durchbruch und schafft finanzielle Sicherheit für die weitere Ausdehnung. Jetzt fertigt die Firma von Sigle und Levi im Auftrag von Moos zum feststehenden Niedrigpreis serienmäßig für den Berliner Markt; 1905 wird (die Namensgebung selbst stammt von Moos) die Salamander Schuhverkaufsgesellschaft gegründet.

 

Zuschneiderei der Firma Salamander im frühen 20. Jahrhundert.

SALAMANDER GmbH

 

Levi arbeitet auf ein eigenes Filialsystem hin, ihm gelingt die Gründung weiterer Salamander-Geschäfte, die zunächst gemeinsam mit Moos in Berlin entstehen, dann in fünf weiteren deutschen Großstädten, schließlich im Ausland. Salamander wird zur bedeutendsten deutschen Schuhfabrik, 1909 produzieren 2800 Mitarbeiter am Firmensitz in Kornwestheim zwei Millionen Paar Schuhe. Selbstständige Einzelhändler können fortan auch in kleineren Städten „Alleinverkaufsrechte“ erhalten, also die Gewähr, als einzige in bestimmtem Umkreis Salamander-Schuhe exklusiv anzubieten; ihnen kam die einheitliche Werbestrategie des Unternehmens zugute, im Gegenzug mussten sie eine Mindestmenge der Schuhe abnehmen und zu den vorgegebenen Preisen veräußern.

Rudolf Moos hat in seinen Lebenserinnerungen den Einfallsreichtum und Geschäftssinn seines Kompagnons mit den Worten gewürdigt: „Max Levi war tatsächlich die treibende Kraft hinter dem phänomenalen Erfolg der Fabrik. Ohne ihn wäre sie niemals so wichtig geworden.“ Neben seiner Teilhabe an der Marke Salamander betreibt Levi in Faurndau eine eigene Schuhproduktion unter dem Namen „Mara“ und erlangt den Titel eines Honorarkonsuls der Republik Österreich. Am Stuttgarter Killesberg lässt er sich eine herrschaftliche, zweiflüglige Stadtvilla als Familiensitz errichten, die bis heute seinen Namen trägt; gerade noch erlebt er ihre Fertigstellung.

Grab von Max Levi auf dem israelitischen Teil des Stuttgarter Pragfriedhofs.

 

Aufnahme: Landeshauptstadt Stuttgart, Garten-, Friedhofs- und Forstamt, Betrieb Pragfriedhof

Levi stirbt 57-jährig am 24. April 1925 in Kornwestheim; eine Straße erinnert dort an ihn. In der Arisierungsphase des Dritten Reichs wird seine Familie aus der Firma Salamander hinausgedrängt, seine Witwe Ida emigriert 1939 in die Schweiz. Aber selbst der nach dem Zweiten Weltkrieg sich rasch einstellende Aufstieg des Unternehmens zum größten europäischen Schuhhersteller und erfolgreichen Exporteur in alle Welt beruhte noch immer mit auf den Verkaufsstrategien, die Max Levi um die Jahrhundertwende entwickelt hatte.

 

 

Neues aus dem Jugendtreff „Bounty“
Fasent?

 

Nein! Wir machten den zahlreichen Faschingsveranstaltungen in der Region und am Ort keine Konkurrenz. Doch waren deren Auswirkungen – auch ohne dass wir eine närrische Party schmissen – bis in unsere Räumlichkeiten zu spüren. Selbst am Tag der jecken Schulfete kamen die Kinder und Teens teils geschminkt, teils in voller Verkleidung zu uns in den Treff. Ein paar Indianerinnen, Katzen und bunte Haarträgerinnen führten uns sogar (und sehr zu unserem Vergnügen) einige frisch erlernte Tänze vor. So voller Freude und Eifer waren diese Mädchen, dass sie sich kurzweg einige kleine Preise verdienten. Andere zogen im Jugendtreff ihre Gesichtsbemalung mit entsprechenden, von uns zur Verfügung gestellten Hautfarben nach. Es war eine Freude zu beobachten, wie unsere Besucher sich so sehr der Freude am Verkleiden, am Spielen, ja, am Dasein hingaben.

Wir sehen uns wieder nach den Faschingsferien!

Und schon wieder haben wir eine Danksagung, diesmal an Familie Oehlbach für die erfreuliche Spende mehrerer Kaffeetassen nebst heimischem Honig.

 

Terminvorschau:

Über die Faschingsferien bleibt der Jugendtreff geschlossen. Wir öffnen wieder in der Woche ab dem 19. Februar.

Am Sonntag, 25. Februar, veranstalten wir ein Tischtennis-Turnier. Anmeldung über uns Betreuer. Der normale Sonntagstreff entfällt für diese Sonderaktion.

 

Euer AWO-Jugendtreff-Team (Matthias und Michael Klebon, Andrea Mergel)

 

 

1. „Gondelsheimer Tanznacht“
in der Saalbachhalle
Samstag, 17. März 2018 ab 20 Uhr
Der beste Tanzmusik-Mix!

 

Der Fußballverein Gondelsheim lädt alle Tanzbegeisterten zur 1. Gondelsheimer Tanznacht am 17. März 2018 in die Saalbachhalle mit DJ Thomas Brockmann („Tommy‘s Plattenladen“ - die neue Welle) ein. 

Mit einer Mischung aus knackigen 70er Jahre Rock, Disco & Fox plus die XXL-Portion grandioser 80iger Kult-Hits, NDW, Schlager lässt DJ Thomas Brockmann die „Alten Zeiten“ wieder aufblühen. Von ABBA bis AC/DC, Boney M bis Bruno Mars, Helene Fischer bis zu aktuellen Hits brennt er ein „Feuerwerk“ an tanzbaren Hits ab.

Alle Tanz- oder Musikbegeisterten sind hierzu herzlich eingeladen.

Für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt. Der FVG wartet auch mit einer Bar (Cocktails etc.) auf!

Seien Sie dabei - wir freuen uns auf eine volle Tanzfläche!

 

Einlass ab 19.30 Uhr / Beginn 20 Uhr

Karten: Vorverkauf 7,- € (ab dem 16.02.2018) / Abendkasse 9,- €

Vorverkauf: Bürgerbüro Gondelsheim + Autohaus Wetzel-Motors GmbH (Opel & Kia-Bretten)

Veranstalter: Fußballverein Gondelsheim 1953 e.V.

Schirmherr: Bürgermeister Markus Rupp

 

Herzlichst

Ihr

Markus Rupp, Bürgermeister