Historischer Rundgang

Eine Führung kann ab 10 Personen über unser Bürgerbüro im Rathaus 
(Tel.: 07252/9444-0 oder per E-mail an: buergerbuero@gondelsheim.de) gebucht werden. Die Anmeldung sollte mindestens 10 Tage vor der Führung erfolgen.

Kosten: bis 20 Personen 20,00 Euro
                  bis zu 50 Personen 40,00 Euro.

 

Am Bahnhof, der die per Stadtbahn anreisenden Besucher empfängt, wollen wir unseren ausgeschilderten historischen Rundgang durch die Gemeinde Gondelsheim beginnen. Besuchern, welche mit dem PKW oder dem Bus anreisen, empfehlen wir den Parkplatz bei der Saalbachhalle zu benutzen.

Wir wünschen Ihnen dabei viel Freude und Erholung.

Bahnhof (1)

Das Bahnhofsgebäude, errichtet um die Mitte des 19. Jahrhunderts, ist ein frühes Beispiel badisch-württembergischer Geschichte: Nach Überwindung manch politischer Schwierigkeit wurde im Jahre 1853 zwischen Bruchsal und Stuttgart via Bietigheim eine damals wie heute wichtige Bahnverbindung geschaffen, an die auch unsere Gemeinde Anschluss erhielt.



Für die soziale Struktur Gondelsheim war dies mit erheblichen Folgen verbunden, ermöglichte doch der Schienenstrang den Menschen bereits zu einer Zeit das "Pendeln" zu auswärtigen Arbeitsplätzen, als der Besitz eines Autos noch Luxus für das Gros der Zeitgenossen darstellte. Den zumeist genossenschaftlich organisierten Landwirten stand fortan ein günstiges und schnelles Transportmittel zur Verfügung, welches den Absatz ihrer oft verderblichen Produkte auf den städtischen Märkten wesentlich erleichterte.

Gräfliches Schloss und Alter Kirchturm (2)

Das Douglas'sche Schloss lädt mit seinem von altehrwürdigen Bäumen geprägten Park zum Verweilen ein. Wer ist nicht fasziniert von diesem im Jahre 1857 im anglo-schottischen Stil errichteten Meisterwerk der Architektur, seinen 1906 angebauten Flügeln im Jugendstil, den Ornamenten, den Reliefs, den Wappen, Zinnen und Erkern? Eine Burg hat es in Gondelsheim nicht gegeben, schon die frühesten Quellen aus dem Spätmittelalter erwähnen aber ausdrücklich ein Schloss, wohl den Vorgänger des heutigen, imposanten Bauwerkes.




Über Jahrhunderte hin wechselte das Dorf Gondelsheim viele Male den Besitzer, geriet nacheinander in ritterschaftlichen, kurpfälzischen, württembergischen und badischen Besitz. Die Familie des heutigen Schlossbesitzers, Graf Douglas, hat ihren Ursprung in Schottland. Dessen Vorfahren waren im Dreißigjährigen Krieg nach Schweden ausgewandert und gelangten alsbald in Verbindung mit dem Hause Baden.


Mit Wilhelm Graf Douglas (1907 - 1987), Träger des Bundesverdienstkreuzes und weiterer hoher Auszeichnungen, verlieh die Gemeinde Gondelsheim 1958 einem Vertreter dieses Adelsgeschlechts die Ehrenbürgerschaft. Die Familie Douglas hat in den zurückliegenden rund 150 Jahren, seit sie in Gondelsheim die "Standesherrschaft" stellt, ihre Verbundenheit mit der Entwicklung der Gemeinde in zahlreichen sozialen und karitativen Leistungen und Schenkungen unter Beweis gestellt. So wurde denn auch bei der Verleihung der Ehrenbürgerurkunde an Wilhelm Graf Douglas ausdrücklich betont, die Anerkennung stehe für das, was die Gemeinde dem Hause Douglas insgesamt zu verdanken habe.

Von der wechselvollen Geschichte Gondelsheims kündet auch der "Alte Turm", der südöstlich des Schlosses auf einer Anhöhe steht. Der erste Eindruck, dass es sich um den Bergfried einer alten Burg handelt, täuscht. Er ist vielmehr der unverwüstbare Turm einer Wehrturmkirche, welche die Gondelsheimer im Hochmittelalter als Gebetsort, aber auch zu ihrer Sicherheit errichteten. Dorthin floh man, wenn Feinde anrückten. Der Turm ist so stabil gebaut, dass er den Brandschatzungen des Dreißigjährigen Krieges trotzte und ebenso dem Abriss des romanischen Kirchenschiffes im Jahre 1857 stand hielt. Heute thront er als ältestes Gondelsheimer Bauwerk wie eh und je über dem Chor, von einem Viereck in ein Sechseck übergehend. An den Wänden des Turmes befinden sich gotische Fresken aus der Zeit um 1450, welche allerdings momentan nicht zu besichtigen sind und einer dringenden Restauration bedürften.



Evangelische Kirche (3)

Verlassen wir den Schlossbereich durch das Haupttor, dann fällt sogleich die heutige evangelische Kirche ins Auge. Die Pfarrkirche wurde 1842 im Weinbrenner-Stil errichtet, im Zweiten Weltkrieg jedoch stark beschädigt. Inzwischen ist sie innen wie außen längst wiederhergestellt. Für das Kircheninnere wurde eine helle, freundliche, fein abgetönte Bemalung gewählt. Schräg gegenüber, an der Ecke der historischen Mühlstrasse und der neuen Neibsheimer Strasse, fällt das 1895 errichtete evangelische Pfarrhaus auf.


Auf dem Platz vor der Kirche stoßen wir zudem auf das Kriegerdenkmal aus dem Jahre 1936, das in doppelter Hinsicht für ein dunkles Kapitel unserer Geschichte steht: es dokumentiert einerseits das sinnlose Sterben von Männern und Frauen Gondelsheims in den beiden Weltkriegen 1914 - 1918 und 1939 - 1945, stammt selbst aber aus der NS-Zeit und gibt einen Eindruck von der folgenschweren Verherrlichung eines fehlgeleiteten Militarismus und Nationalismus in dieser Epoche.
Das älteste Haus (4)

Von der Kirche aus wenden wir uns in Richtung des Ortes und überqueren den Bahnübergang. Hier stand einst auf östlicher Seite das alte Rathaus der Gemeinde, das jedoch im 19. Jahrhundert dem Ausbau der Eisenbahnlinie hat weichen müssen. Wir folgen der Bahnhofstraße und befinden uns dabei auf einer Straße, die als "via regia" bereits von den Römern im 3. Jahrhundert n. Chr. stark frequentiert wurde und die später, bis ins 19. Jahrhundert, als Postverbindungsroute zwischen Speyer und Stuttgart diente. Ein Blick auf die Häuser der Bahnhofstraße zeigt, dass sich hier wie in der Mühlstrasse der alte Ortskern Gondelsheims mit seinen Quartieren befand.


Einst eine stark frequentierte Einrichtung war das Gebäude Leitergasse 21, das den Älteren noch als "Milchhäusle" bekannt ist. Früher lieferten hier die Gondelsheimer Landwirte ihre Milch ab. Das kleine Gebäude steht als Dokument der bäuerlichen Geschichte unserer Gemeinde, die wir bei unserer Fahrrad-/Wandertour durch die Gemarkung (siehe S. ....) erkunden wollen. Das Fachwerkhaus Bahnhofstraße 7 ist wohl das älteste noch erhaltene Wohngebäude Gondelsheims. Über dem Kellereingang belegt dies ein Sturz, in welchem die Jahreszahl 1604 eingemeißelt ist.


Das Amtshaus (5)

Die erwähnte wechselvolle Geschichte Gondelsheims in Bezug auf seine Ortsherrschaft war um eine Episode reicher als weite Teile der Gemarkung 1761 an den Markgrafen von Baden-Durlach übergingen. Doch noch blieben die ungeliebten Menzinger Freiherren, gegen welche die sog. Gondelsheimer Revolution von 1730 gerichtet war, im Ort. Höchste Geldnot veranlasste die Menzinger aber in den Folgejahren auch ihren restlichen Besitz an die badischen Prinzen Friedrich und Ludwig Wilhelm zu verkaufen. Am 10. Juni 1790 huldigte schließlich die Gemeinde im Schlosshof und im Verwaltungssitz des 1761 geschaffenen Amts den neuen Herrschern. Das Amtshaus, in der heutigen Silbergasse 4, war von einer englischen Anlage und Eremitagen umgeben. Es diente den jeweiligen Amtmännern zugleich als Wohnhaus.

Das kleine Oberamt Gondelsheim umfasste das Gemeindegebiet samt Bonartshäuser Hof und Erdbeerhof. Für rd. 1.000 Einwohner, verteilt auf 139 Häuser, hatten die Markgrafen also ein eigenes Amt errichten lassen.

Die Existenz jenes Amtes war jedoch im Reigen etlicher Verwaltungsreformen nach der Schaffung des Großherzogtums Baden bei den Staatsstellen offensichtlich in Vergessenheit geraten. Zwar, so berichtete das Direktorium des Pfinz- und Enzkreises 1816 dem nachfragenden unwissenden Ministerium der Finanzen, hätte das Gondelsheimer Amt eigentlich dem Brettener Bezirk zugeordnet werden sollen, doch sei dieses "auf Specielles Andringen des Herrn Markgrafen Ludwig Hoheit nicht ausgeführt, sondern in Suspenso belassen und seither hierüber noch keine anderweitige höchste Resolution gegeben worden". Erst am 1. Juni 1826 verfügte Großherzog Ludwig die Aufhebung des Justizamtes und Amtsrevisorats Gondelsheim und deren Geschäftsüberweisung an das Amt Bretten.


Pfarrer Rein-Haus (6)

Der Bahnhofstraße folgend gelangen wir in Richtung Marktplatz. Vor der Einbiegung in den Marktplatz sehen wir das K.D.J.-Rein-Haus, das 1997 renovierte evangelische Gemeindezentrum. Es ist benannt nach dem Gondelsheimer Pfarrer Karl Daniel Justus Rein (1800 - 1865), der in kirchlichen Leben Badens zur Mitte des 19. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle spielte. Neben Aloys Henhöfer war Rein einer der wichtigsten Fürsprecher eines an der Augsburger Konfession orientierten, bibelnahen Glaubensbekenntnisses.

Auf dem Marktplatz selbst finden wir das imposante Gebäude des ältesten Gondelsheimer Gasthofes, den früheren "Adler", heute als "Loewenthor" für seine flämischen Spezialitäten weit über die Grenzen unserer Gemeinde hinaus bekannt. Zudem stoßen wir dort auf den Brunnen, aus dem einst die Pferde der Postreiter und die Reisenden auf dem Weg von Speyer nach Stuttgart getränkt wurden.


Der Friedrichsbrunnen (7)

Ein auf den ersten Blick vielleicht weniger imposantes, aber nicht minder bedeutendes Denkmal der Gondelsheimer Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts begegnet uns an der südöstlichen Ecke des Marktplatzes bei der Einmündung der Bahnhofstraße in die Brettener Straße. Der Friedrichsbrunnen, ursprünglich am Brunnenberg errichtet und 1965 an seinen heutigen Standort versetzt, wurde im Jahre 1903 durch einen Festzug der Gondelsheimer anlässlich der Einweihung der zentralen Wasserversorgung durch die Quellen im Gewann "Bruch feierlich enthüllt. " Sein Namensgeber war der badische Großherzog Friedrich.


Noch um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert brachen in den Dörfern immer wieder Krankheiten aus, weil das Trinkwasser aus den privaten Zieh- oder Pumpbrunnen von äußerst schlechter Qualität und vielfach mit Bakterien sowie Krankheitserregern belastet war. Erst die Versorgung mit einwandfreiem Wasser trug entscheidend dazu bei, die hohe Kindersterblichkeit zu verringern und überhaupt den Ausbruch von Epidemien zu verhindern.

Schräg rechts gegenüber am Engelsberg, oberhalb der Brettener Straße, erhebt sich das imposante Gebäude der alten Kinderschule (Brettener Straße 6. Dieser 1911 errichtete Bau mit seinen säulenumrahmten Eingängen und seinen ausgedehnten Innenräumlichkeiten hat einen älteren, ebenfalls noch erhaltenen Vorgängerbau aus dem Jahre 1866 abgelöst (heute Brettener Straße 18). In Gondelsheim wurde erstmals im Jahre 1850 eine "Kleinkinder-Bewahranstalt", als Vorgängerin unserer heutigen Kindergärten eingerichtet; eine der frühesten Gründungen dieser Art überhaupt in der Region!


Friedhof - Steinmuseum - Josefine Benz (8)

Wir gehen weiter auf der Brettener Straße und gelangen nach wenigen Metern zum Friedhof. Dort erinnert uns an der Friedhofsmauer die Abbildung eines Scherenschnitts an eine der berühmtesten Persönlichkeiten der Gemeinde - Josefine Benz. Sie, Mutter des berühmten Automobilpioniers Carl Benz, verbrachte ihren Lebensabend in unserer Kraichgaugemeinde und fand hier auch 1870 ihre letzte Ruhestätte. Ihr zu Ehren legt denn auch die Bertha-Benz-Oldtimerfahrt regelmäßig auf dem Gondelsheimer Rathausplatz Station ein.

Um architektonisch besonders wertvolle Grabsteine als Dokumente unserer Geschichte dauerhaft zu erhalten, hat die Gemeinde auf dem Friedhof ein sog. Steinmuseum eingerichtet. Gewürdigt werden im südöstlichen Teils des Friedhofs künftig ebenso verstorbene, das Gemeindeleben maßgeblich bestimmt habende Bürgerinnen und Bürger wie Geistliche, Bürgermeister oder Ehrenbürger. Auf dem Friedhof finden wir auch das Grab des Altbürgermeisters und Ehrenbürgers Andreas Heck (1920 - 1989), der die politische Nachkriegsgeschichte Gondelsheims wesentlich mitgeprägt hat. Von 1956 bis 1962 zunächst Gemeinderat, dann bis 1982 zwanzig Jahre lang Bürgermeister, fallen in seine Amtszeit zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur und zur Gemeindeentwicklung. Die für Gondelsheim vielleicht bis heute folgenreichste und grundlegendste politische Entscheidung seiner Amtszeit aber war der von ihm und seinen Mitstreitern vehement und erfolgreich geführte Kampf um die Erhaltung der Selbständigkeit im Zuge der Verwaltungsreform während der frühen 1970er Jahre. Anders als die teilweise sogar deutlich größeren Umlandgemeinden beschritt Gondelsheim aufgrund zäher Verhandlungen und günstiger Entwicklungsprognosen nicht den Weg hin zu einem Stadtteil der benachbarten Mittelzentren Bruchsal oder Bretten. 1985 hat ihm die Gemeinde für seine Leistungen die Würde eines Ehrenbürgers zuerkannt.


Das "Schafhaus" (9)

Wir durchqueren nun den leicht ansteigenden Friedhof und verlassen ihn am oberen Ende zur Bergstraße hinaus. Dort wenden wir uns nach rechts, biegen nach etwa hundert Metern nochmals rechts ein und gehen den Brunnenberg hinab. Dort, etwa nach 50 m, erscheint auf der südlichen Straßenseite ein gemeindeeigenes Anwesen mit der Hausnummer 7. Der Volksmund bezeichnet das wuchtige Gebäude noch heute als Schafhaus.

Was hat es mit dieser Namensgebung auf sich? Nur selten trifft man heute noch auf durch die Gemarkung ziehende Schafherden. Ganz im Gegensatz zu früheren Jahren als im Winter zumeist aus der Alb stammende Schäfer aufgrund des milderen Klimas unseres Landstrichs mit ihren Herden Gondelsheim ansteuerten. Der Schafstall in westlicher Verlängerung des Brunnenbergs 7, der vor etlichen Jahren einem Wohngebäude weichen musste, bot eine willkommene Unterkunft. Und Sie waren gerne gesehene Gäste im Dorf, denn auch die Gondelsheimer Bürger zogen nachhaltig Nutzen. Schließlich wurden die eigenen Felder "bepfercht". Die auf den Ackerparzellen eingeschlossenen Schafe sorgten für eine natürliche Grunddüngung. Bei Schnee und Eis trieb der treue Gefährte des Schäfers, sein Hund, die Schafherden in den Stall. Den Schäferwagen karrte man hinterher. Am Brunnenberg wurden die Nutztiere von den Gondelsheimern mit Stroh verpflegt, im Gegenzug erhielten sie den allseits begehrten Schafdung, welcher seinerseits das Gedeihen von Dickrüben, Kartoffeln etc. förderte und somit für die Sicherung der Grundversorgung von erheblicher Bedeutung war.

Weiter geht es Richtung Marktplatz. Rechter Seite stoßen wir auf das Feuerwehrhaus, das uns Gelegenheit gibt zu einer kurzen Betrachtung des örtlichen Feuerlöschwesens: Die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in Gondelsheim liegt gerade einmal hundert Jahre zurück. In früherer Zeit waren sämtliche Bürger des Ortes verpflichtet gewesen, in Brandfällen mit Eimern herbeizueilen und beim Löschen zu helfen. Die notwendige Entwicklung aber ging hin auf zunehmende Professionalisierung, da dieses alte System oft versagte und nicht mehr den notwendigen Brandschutz für die Ortschaft gewährleistete. Am 1. September 1901 kamen daher 22 Bürger zur Gründung einer Feuerwehr für Gondelsheim zusammen, unter ihnen der Mühlenbesitzer Karl Mößner, der als treibende Kraft und federführender Organisator von der Versammlung zum 1. Kommandanten berufen wurde. Sein Engagement entsprang freilich keines Zufalls. Gerade Mühlen waren die am meisten brandgefährdeten Gebäude eines jeden Ortes, der Müller musste also naturgemäß an einer Verbesserung des Feuerschutzes interessiert sein.

Wieder am Marktplatz angekommen, wenden wir uns diesmal nach links und folgen etwa hundert Meter der Bruchsaler Straße, ehe wir nach rechts in die Leitergasse einbiegen.


Die ehemalige Synagoge (10)

Dort stoßen wir nach wenigen Schritten auf das beeindruckende neoromanische Gebäude der 1849 errichteten Gondelsheimer Synagoge. Einst das geistliche Zentrum der über einhundert Bürger mosaischen Glaubens, die in der Blütezeit der jüdischen Gemeinde in unserem Dorf lebten. Die Synagoge verfügte über einen Versammlungs- und einen Schulraum sowie über ein mit Sandsteinplatten ausgemauertes Bad, die Mikwe. Mitte der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts war die Zahl der jüdischen Bevölkerung aufgrund der Migration ihrer Mitglieder in die Städte so gering geworden, dass die Synagoge 1930 verkauft wurde.




Nunmehr in privater, nichtjüdischer Hand, blieb sie deshalb auch in der sog. "Reichskristallnacht" im November 1938 verschont. Nicht verschont hingegen blieben die wenigen Gondelsheimer Juden, die noch nach Kriegsausbruch 1939 hier lebten. Auch sie - meist über 70 Jahre alt - wurden von NS-Schergen 1940 deportiert. Von den sechs Verschleppten kehrte nur eine in ihre Heimatgemeinde zurück. Der berühmteste Sohn der hiesigen jüdischen Gemeinde, Jacob Hecht (1878 - 1963), seines Zeichens Großreeder und Wirtschaftsmagnat in Basel, wurde im Jahre 1958 zum Ehrenbürger von Gondelsheim ernannt. "Es war für Herrn Jacob Hecht ein weiter, aber außergewöhnlich erfolgreicher Weg von der Leitergasse in Gondelsheim bis zu den Direktorenzimmern der von ihm geführten und zum größten Teil selbst gegründeten Unternehmen des Schifffahrts- und Speditionswesens", so formulierte es der Gemeinderat in seiner Verleihungsurkunde. Und dieser weite Weg war keineswegs ohne Brüche, Zäsuren und Rückschläge geblieben. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden die überwiegend in deutschen Städten entlang des Rheins ansässigen Niederlassungen der Gebrüder Hecht beschlagnahmt und "arisiert", Jacob Hechts engerer Verwandtenkreis in Deutschland wurde Opfer der Gräuel und des Terrors der Konzentrations- und Vernichtungslager. Er selbst war bereits 1920 aus beruflichen Gründen nach Basel übergesiedelt, hat aber erst Ende 1933, als im NS-Staat der verordnete Rassenhass tonangebend zu werden begann, die schweizerische Staatsbürgerschaft angenommen. Noch als über 80jähriger führte er selbst die von ihm gegründeten Unternehmen, darunter eine der größten Rheinschifffahrts-gesellschaften.
Rathaus (11)

Wieder zurück auf der Bruchsaler Straße führt uns der Rundweg nun zum neu gestalteten Rathausplatz. Früher standen hier alte einstöckige Häuschen, heute wird der baumbestandene Platz mit seinem neuen Brunnen von einem gelungenen Ensemble historischer und neuerer Bauten umgeben. Am auffälligsten hiervon ist das 1750 als Zehntscheuer erbaute und 1880 umgestaltete heutige Rathaus.


Zurückgesetzt gegen die Bahnlinie steht die im Weinbrenner-Stil errichtete und inzwischen renovierte Alte Schule, derzeit von zahlreichen Gondelsheimer Vereinen genutzt.

Wer mit dem Auto angereist ist, für den kann hier am Rathausplatz der historische Rundgang enden. Wer Gondelsheim hingegen mit der Stadtbahn besucht hat, kehrt nun entlang der Saalbach zum Bahnhof zurück und genießt auf dem Weg dorthin die Promenade entlang des kleinen Gewässers. Die Saalbach besaß früher weit mehr als heute eine außerordentliche praktische Bedeutung für unsere Gemeinde, war sie doch Kraftlieferant für die beiden örtlichen Mühlen, diente als Fischbach und gleichzeitig zur Bewässerung der Gondelsheimer Wiesen im Saalbachtal, was als Grundlage für eine ausgedehnte Viehzucht von großer Bedeutung war.

Ein Spaziergang durch das liebens- und lebenswerte Gondelsheim samt Einkehr in den gemütlichen, einladenden Gaststätten - so teilen Sie am Ende des Historischen Rundgangs sicherlich unsere Meinung - lohnt sich allemal.